Bernd Arnold: Wahl Kampf Ritual

Bernd Arnold arbeitet als Fotokünstler und Bildjournalist für deutsche und internationale Medien. In der Kirche, der Halbwelt, der Wirtschaft, den Medien und auch in der Politik spürt er die Rituale der Macht auf.

So hat er im Rahmen seines Zyklus „Macht und Ritual“ von 1987 bis 2017 (zurzeit ist 2021 in Arbeit) neun Bundestagswahlkämpfe portraitiert und Bilder erschaffen, die in prägnanten schwarzweiß-Fotografien den Wahlkampf als Ritual und als eine theatralische Inszenierung darstellt. Rituale leben von ihrer Wiederholung, ihren Gesten ebenso wie von Symbolen. Die rituellen Gesten und Handlungen der Wahlkämpfenden zeigen eine Zeitreise über 30 Jahre und die Verlässlichkeit des immer wiederkehrenden demokratischen Findungsprozesses der Machtverteilung. Die Fotografien verdeutlichen aber auch die Anstrengungen, die es bedarf, im politischen Kampf um die Macht, mit Rhetorik und Überzeugungskraft zu überzeugen. Den Wahlkampfritualen gelingt nichts Geringeres, als letztlich die Demokratie zu legitimieren und zu stärken. Rituale im Allgemeinen sowie Wahlkampfrituale im Speziellen bedürfen der öffentlichen Bühne. Die Corona-Pandemie hat verdeutlicht, dass politische Inszenierung in der Öffentlichkeit keineswegs jene Selbstverständlichkeit besitzt, die ihr vor Corona beigemessen wurde. Somit können die fotografischen Arbeiten Arnolds vor dem Hintergrund der Pandemieerfahrung somit auch als Wertschätzung für den öffentlichen Raum sowie für politische Kommunikation auf einer allgemein zugänglichen Bühne auf den realen Marktplätzen und Versammlungsstätten eingeordnet werden.

Juliane Herrmann – Attitude

„Attitude“ ist Teil eines Langzeitprojektes über die internationale Pfadfinderbewegung an welchem Juliane Herrmann seit 2018 arbeitet.

Die Pfadfinder sind eine internationale, religiös und politisch unabhängige Gruppierung für Kinder und Jugendliche. Weltweit gehören mehr als 41 Millionen Menschen aus 216 Ländern der Jugendbewegung an. Pfadfinder setzen sich für selbstständiges und verantwortliches Handeln, Toleranz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. Wie diese Philosophie im Einzelnen gelebt wird, kann von Land zu Land sehr unterschiedlich sein.

In „Attitude“ untersucht Juliane Herrmann die innere und äußere Haltung von jugendlichen Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus 113 Nationen. Dabei lässt sie den Protagonistinnen und Protagonisten viel Raum zur Selbstinszenierung. Durch ihre Haltung, ihren Gesichtsausdruck, ihre äußere Erscheinung und ihre Tracht wird zum einen ihre Individualität sichtbar, gleichzeitig zeigt sich ihr kultureller Hintergrund und die Zugehörigkeit zur Pfadfinderbewegung eines bestimmten Landes.

Juliane Herrmann – Im Chor lässt's sich leichter singen

Freimaurer, Pfadfinder, Studentenverbindungen – Geschlossene Gesellschaften üben seit jeher eine große Faszination auf Juliane Herrmann aus. In Videoportraits stellt sie verschiedene Gruppen gegenüber. Dafür filmt sie den Prozess des Aufstellens eines Gruppenportraits und versucht als Autorin so wenig wie möglich in den Prozess einzugreifen. Der Betrachtende erhält somit spannende und unverfälschte Einblicke in Gruppendynamiken, Hierarchien, Homogenität, Dresscode und Regeln innerhalb einer Gruppe.

Jörg Hemmen und Roland Steiner – so gesehen … Rituale

Portraits, acht Fotos von Menschen aus dem Oldenburger Land.
Lehrer, Landwirt, Sonderpädagogin, Philosoph, Architektin, Kulturmanager, Qualitätsmanagerin und Auszubildende. In der Zeit der Corona-Pandemie haben sie viel erlebt. Wir alle haben versucht unser Leben so normal wie möglich weiterzuführen. Unsere Gewohnheiten, das Zusammenleben, das gemeinsame Arbeiten und Lernen veränderte sich. Der Fotograf Jörg Hemmen und der Filmemacher Roland Steiner wollten nicht hervorheben was verloren gegangen ist, sondern vorsichtig zeigen, was uns gehalten hat. Die Schönheiten eines Augenblicks mit Freunden, Momente der Begegnungen mit der Natur. Die Erinnerung und Neuentdeckung so mancher magischer Momente, die uns die Chance geben, behutsam unser normales Leben vielleicht mit etwas mehr Aufmerksamkeit, Freude und Dankbarkeit wieder aufzunehmen.

So gesehen … Rituale verändern sich.

Rituale dieser Welt – Ausgewählte Motive des CEWE Photo Award 2021- Our world is beautiful

Muss man Teil einer bestimmten Kultur sein, um ihre Rituale zu verstehen? Nicht zwingend. Überall auf dem Globus folgen Menschen während ihres gesamtes Lebens Ritualen, die ihm einen höheren Sinn geben. Und auch wenn wir vielleicht nicht die jeweiligen Symbole entschlüsseln können, verstehen wir, dass Gemeinschaftlichkeit zelebriert wird, wenn Menschen auf der ganzen Welt ihre Rituale in Form von Zeremonien, Festen, Brauchtümern, Sitten und Spielen begehen.

Ebenfalls ist allen Ritualen ihr Wiederholungscharakter gemeinsam. Gerade in diesen flüchtigen, digitalen Zeiten geben sie aufgrund ihrer Bekanntheit und Erwartbarkeit Halt und Stabilität. Ein Foto kann eine ähnliche Wirkung haben. Druckt man es aus, werden aus flüchtigen Daten Erinnerungen zum Festhalten und seine wiederholte Betrachtung lässt jenen Zauber entstehen, der dem Foto nachgesagt wird: Es hält für einen Moment die Zeit an.

Oliver Godow – Sonntag(s)

Sonntag(s) in Oldenburg scheint in festen Mustern und Abläufen nach wie vor definiert zu sein. Es ist besonders still am Sonntag hier in Oldenburg, aber das, was passiert ist irgendwie auch besonders, fast könnte es als Art ‚Ritual‘ bezeichnet und wahrgenommen werden. Das Projekt ist eine fotografische Feldstudie zum Stadtraum Oldenburgs in Anlehnung an die Vedutenmalerei Theoder Presuhn d.Ä. (1810 bis 1877).

Hayahisa Tomiyasu – TTP

TTP ist eine Fotoserie, die Hayahisa Tomiyasu aus dem Fenster seiner ehemaligen Studentenwohnung in Leipzig gemacht hat. Von seinem Blick nach Süden konnte er eine Tischtennisplatte beobachten, die für eine Vielzahl von Zwecken genutzt wird: man sonnt sich, trocknet die Wäsche, klettert, nimmt auf ihr das Mittagessen ein und übt viele weitere Tätigkeiten aus… nur kein Tischtennisspielen, was sich die Leipziger Grünflächenplaner so wahrscheinlich nicht ausgemalt haben.

Tomiyasu verbrachte fünf Jahre damit, die Tischtennisplatte zu dokumentieren und dank seiner anhaltenden Neugier beobachten wir die Eigenheiten menschlichen Verhaltens und gesellschaftlicher Rituale, wenn sich Jahreszeiten ändern, Szenen mutieren und die Menschen kommen und gehen.